BalkanHistory.deDer Griff nach dem Himmel und die Geburt des serbischen Patriarchats
Ort: Serbien, Skopje, Peć und Balkanraum
Ein Imperium wird auf dem Schlachtfeld mit Blut und Eisen geschmiedet, doch es kann dort nicht überdauern. Wer im Mittelalter herrschen wollte, brauchte mehr als furchteinflößende Armeen er brauchte den Segen Gottes. Stefan Uroš IV. Dušan war unbestritten der mächtigste Kriegsherr des Balkans. Er hat die serbische Kirche nicht im eigentlichen Sinne gegründet diese Ehre gebührt dem Heiligen Sava. Doch Dušan tat etwas viel Gefährlicheres: Er formte die Kirche nach seinem eigenen, gigantischen Willen um und erhob sie in den höchsten geistlichen Rang, den die orthodoxe Welt kannte.
Das Problem, vor dem Dušan stand, war so simpel wie unlösbar. Nach orthodoxem Verständnis konnte nur ein Patriarch einen Mann zum Kaiser (Zaren) krönen. Der höchste Würdenträger der serbischen Kirche war jedoch nur der Erzbischof von Peć. Dušan erkannte: Wenn Konstantinopel ihm die Tür zur absoluten Macht verschloss, musste er sich selbst einen eigenen Schlüssel schmieden. Wenn er keinen Patriarchen hatte, der ihn krönen durfte, würde er eben selbst einen erschaffen.
Im Frühjahr 1346 berief Dušan ein gewaltiges Kirchenkonzil in seiner neuen Hauptstadt Skopje ein. Er lud den Patriarchen von Bulgarien und den Erzbischof von Ohrid ein, ebenso wie die ehrwürdigen Mönche vom Heiligen Berg Athos. Auf diesem Konzil wurde der serbische Erzbischof Joanikije II. feierlich aus seinem bisherigen Rang erhoben und zum ersten Patriarchen der Serben und Griechen proklamiert. Der Sitz dieses neuen Patriarchats blieb das Kloster Peć im Kosovo.
Nur wenige Tage später krönte Patriarch Joanikije Stefan Dušan zum Zaren. Der Staat hatte die Kirche in den Himmel erhoben, und die Kirche hatte im Gegenzug den Monarchen geheiligt. Serbien war nun ein gottgewolltes Imperium. Im Jahr 1350 schleuderte der Patriarch von Konstantinopel, Kallistos I., den ultimativen Fluch: Das Anathema über Zar Dušan, den serbischen Patriarchen und die gesamte serbische Geistlichkeit. Das Schisma war perfekt: Die Serben waren aus der Gemeinschaft der orthodoxen Welt verstoßen worden.
Für die tiefgläubige Bevölkerung bedeutete dies, dass ihre Priester als verflucht galten und ihre Seelen in höchster Gefahr schwebten. Dušan versuchte in seinen letzten Lebensjahren, mit dem Papst in Rom zu verhandeln, doch diese Pläne zerschlugen sich mit seinem plötzlichen Tod 1355. Ironischerweise war es ausgerechnet Fürst Lazar Hrebeljanović, der Jahrzehnte später diesen Konflikt beilegen musste. Im Jahr 1375 hoben die Byzantiner den Bann auf und erkannten das serbische Patriarchat von Peć offiziell an unter der Bedingung, dass die Serben ihre Ansprüche auf byzantinische Gebiete aufgaben.
Dušan schuf das Patriarchat von Peć als politisches Werkzeug für seine eigenen imperialen Träume. Doch die Ironie der Geschichte wollte es so, dass sein weltliches Imperium kaum ein Jahrzehnt nach seinem Tod zerfiel. Als die serbischen Könige von den Osmanen ausgelöscht wurden und der Staat aufhörte zu existieren, war es genau diese von Dušan geschaffene Institution, die in den dunkelsten Jahrhunderten der Fremdherrschaft zur einzigen wahren Zuflucht und zur Bewahrerin der serbischen Identität wurde.
Dušans Reich zerfiel, doch das von ihm erhobene Patriarchat wurde zur geistlichen Zuflucht einer ganzen Erinnerung.