BalkanHistory.deDer Eroberer zweier Welten und der Herr der Meere
Ort: Osmanisches Reich, Konstantinopel, Balkan und Anatolien
Als Mehmed II. im Frühjahr 1451 nach dem Tod seines Vaters Murad II. zum zweiten Mal den osmanischen Thron bestieg, hielten viele europäische Höfe ihn für einen unerfahrenen, vielleicht sogar schwachen Herrscher. Er war gerade einmal 19 Jahre alt und wurde von erfahrenen Wesiren umgeben, die glaubten, ihn kontrollieren zu können. Doch diese Fehleinschätzung sollte Europa teuer zu stehen kommen. Mehmed war hochgebildet, sprach mehrere Sprachen und war besessen von Philosophie, Geschichte und militärischer Strategie. Er las die Biografien von Alexander dem Großen und Julius Caesar. Sein Blick war auf die Erschaffung eines Weltimperiums gerichtet.
Das byzantinische Reich war zu Mehmeds Zeit nur noch ein Schatten seiner selbst. Mehmed bereitete sich mit einer Akribie vor, die seine Zeitgenossen in Erstaunen versetzte. Er ließ riesige Kanonen gießen und zog ein Heer zusammen, das die Verteidiger der Stadt um ein Vielfaches übertraf. Am 29. Mai 1453 fielen die Mauern. Der letzte byzantinische Kaiser, Konstantin XI., starb im Kampf. Mit dem Fall Konstantinopels veränderte Mehmed die Weltgeschichte. Er nannte sich von nun an „Kayser i Rûm" (Kaiser von Rom) und verstand sich als legitimer Nachfolger des Römischen Reiches.
Nach der Konsolidierung seiner Macht wandte Mehmed seinen Blick unverzüglich nach Westen. Der Balkan war strategisch unverzichtbar. Anders als seine Vorgänger suchte Mehmed die direkte territoriale Kontrolle und die völlige Integration in das osmanische Verwaltungssystem. Das serbische Despotat fiel 1459. Regionale Dynastien, die sich als unzuverlässig erwiesen, wurden nicht mehr nur bestraft sie wurden restlos beseitigt.
Nach Serbien geriet das Königreich Bosnien in das Fadenkreuz des Sultans. Der letzte bosnische König, Stjepan Tomašević, verweigerte die Tributzahlungen ein fataler Fehler. Im Frühjahr 1463 marschierte Mehmed mit einer gewaltigen Armee ein. Der Feldzug war ein Blitzkrieg des 15. Jahrhunderts. König Tomašević ergab sich nach der Zusage, sein Leben werde verschont doch Mehmed ließ ihn in Jajce hinrichten. Das mittelalterliche bosnische Königreich hörte auf zu existieren.
Trotz seiner überwältigenden militärischen Macht stieß Mehmed auf dem Balkan auf erbitterten Widerstand. In Albanien zwang Skanderbeg durch meisterhafte Guerillataktik die osmanischen Armeen immer wieder in die Knie. Mehmed führte persönlich Feldzüge gegen Kruja, konnte Skanderbeg zu dessen Lebzeiten jedoch nie endgültig besiegen. In der Walachei traf Mehmed auf seinen ehemaligen Geisel Gefährten Vlad III. Drăculea. Vlad verweigerte den Tribut und startete brutale Überraschungsangriffe, darunter den legendären Nachtangriff von Târgoviște 1462, bei dem er versuchte, den Sultan persönlich zu töten.
Mehmed II. war nicht nur ein Zerstörer, sondern vor allem ein Baumeister von imperialen Strukturen. Mit seinem „Kanunname" schuf er ein umfassendes Gesetzbuch, das die weltliche Macht des Sultans festigte. Unter seiner Herrschaft blühte Konstantinopel wieder auf. Er förderte Handel, Wissenschaft und Kunst. Sein Reich war multiethnisch und multireligiös, zusammengehalten durch das Millet System, das den nicht muslimischen Gemeinschaften eine gewisse Autonomie gewährte.
Sultan Mehmed II. hinterließ ein Reich, das sich von der Donau bis an den Euphrat erstreckte. Im Mai 1481 starb er überraschend im Alter von 49 Jahren, möglicherweise an einem Gichtanfall oder durch Gift. Er war ein Mann eiserner Kontraste: Ein Herrscher, der Könige hinrichten ließ und Städte schleifte, aber gleichzeitig Universitäten gründete und das kulturelle Erbe der eroberten Gebiete zum Teil bewahrte. Mehmed der Eroberer war der wahre Architekt des klassischen Osmanischen Reiches.
Mehmed der Zweite war nicht nur Eroberer, sondern ein rücksichtsloser Architekt imperialer Ordnung.